Kürzlich ist das neue Buch “Click - How to make what people want” von Jake Knapp erschienen. Der Besteller-Autor von “Sprint - Solve big problems and test new ideas in just 5 days” (dem Buch, das den Design Sprint populär gemacht hat) legt damit ca. acht Jahre später ein neues Werk vor. Da sind wir natürlich super gespannt, was es da zu lesen gibt. Hier meine Einschätzung.
In Workshops und Sprints arbeiten Unternehmen gerne mit etablierten Formaten, die versprechen, in wenigen Tagen Klarheit zu schaffen. Wichtig dabei ist jedoch, anzuerkennen, dass jedes Vorgehen und jede Methode für einen ganz konkreten Kontext entworfen wurde. Nur wenn Use Case, Team und Rahmenbedingungen stimmig sind, entfaltet sie ihre volle Kraft. Gucken wir also auf den Use Case, den das Sprint Buch damals bearbeitet hat.
Jake Knapps Design Sprint ist dann genial, wenn …
Um ein konkretes Was + Wie für ein Produkt zu finden, schlägt Jake Knapps erster Bestseller von 2016 Folgendes vor:
So geht es gezielt um das Wertversprechen für die Kunden und die Frage, mit welcher Lösung man dieses erfüllen kann. Der Design Sprint ist also das richtige Werkzeug, um innerhalb von wenigen Tagen einen stimmigen ersten Prototypen für die Umsetzung eines Wertversprechens für eine bestimmte Nutzergruppe zu entwickeln.
Der Design Sprint hat damals den Kern der Arbeit mit Design Thinking in ein 1-Wochen Format gesteckt und es damit auch Nicht-Experten der Methode ermöglicht, methodisch erfolgreich zu arbeiten.
Fazit: eine tolle Kochanleitung, um sehr schnell Optionen auf dieser Ebene zu testen und ein gemeinsames Bild dessen zu entwickeln, was man für die eigene Organisation umsetzen möchte.
Der Design Sprint blendet ganz bewusst die Organisation aus. So bleibt er universell anwendbar. Aus der strategischen Perspektive eines Unternehmens is er dann hervorragend einsetzbar, wenn man folgende Einschränkungen gut benennen kann:
Das sind Einschränkungen, die wir zur Definition des Spielfeldes nutzen. Wenn wir nämlich nicht wissen, auf welchem Spielfeld wir spielen wollen, können wir den Design Sprint nicht sinnvoll einsetzen (ein Problem übrigens, das endemisch ist im Innovationsbereich). Genau hier kommt der klassische Design Sprint zu kurz. Jake Knapp hat nach unserer Kritik 2019 nachgezogen und diese Lücke nun gefüllt. ;-)
Der Foundation Sprint greift eine Etage darüber an: Er hilft vor dem Design Sprint, ein neues Spielfeld zu definieren. Denn erst wenn wir wissen, in welchem Markt, mit welchen Rahmenbedingungen und welcher Differenzierung wir spielen, kann ein Design Sprint sauber ansetzen.
So verankert der Foundation Sprint direkt das Hexagon‑Feld Spielfeld mit der Definition von Zielmarkt, Umfeld und kritischen Rahmenbedingungen. Super. Und sehr wichtig. Ein guter Grund, sich auf das Buch zu freuen.
Gucken wir uns für die Einordnung zum Schluss nochmal das Ergebnis an. Am Ende des Foundation Sprints steht die “Foundation Hypothesis”. Hier sieht man schon gut: Es geht um etwas Neues.
Ganz klares Ja. Der Foundation Sprint kombiniert den Business Model Canvas und den Lean Startup Canvas in einem Workshop-Format – toll aufbereitet und auf das Wesentliche verdichtet. Er passt daher super, wenn man ein neues Start-Up (oder Spin-off) gründen möchte.
Besonderes Highlight, was das Buch besonders macht, ist die Art und Weise, wie nach einer Differenzierung im Markt gesucht wird. Das ist einer der – auch aus unserer Sicht – wichtigsten Aspekte. Knapp unterstützt den Prozess durch eine Liste typischer Differenzierungs-Merkmale, die man dann visuell durchprobiert.
Mein zweites Highlight ist die Art und Weise, wie die Herangehensweise an die Lösung facilitiert wird. Hier werden über verschiedene 2x2 Matrizen unterschiedliche Perspektiven angelegt, um dann im Team eine gute Diskussion führen zu können. Das ist visual Facilitation, wie ich sie toll finde!
Bevor wir mit dem Foundation Sprint loslegen, müssen wir nochmal auf den Kontext und die Beteiligten schauen. Jake Knapp kommt aus einem Umfeld, das stark “startup-getrieben” ist. Das heißt, für ein (internes) Gründungsteam funktioniert der Foundation Sprint wunderbar.
Viele Leser arbeiten aber vermutlich in einer Organisation. Dort heißt „Spielfeld“ oft: Integration von Geschäftsbereich, Ökosystem oder Partnernetzwerk. Hier braucht es mehr Stakeholder‑Alignment als in einem fünfköpfigen Start‑up. Hier sind die Grenzen dessen, was erlaubt ist, oft nicht so einfach zu ziehen (können aber natürlich durch uns geschickt erweitert werden).
Aus unserer Sicht ist die Passung zur Organisation DAS entscheidende Erfolgskriterium.
Passt das, was wir vorhaben zu unserer Organisation? Zu der Identität des Unternehmens, zu der aktuellen Strategie? Hier sollten wir vorher ein bisschen Gehirnschmalz investieren, um die Rahmenbedingungen des Foundation Sprints klar zu ziehen. Ist das geschafft, haben wir hier ein tolles Template für einen 2-Tages Workshop.
Abb.: Der Foundation Sprint aus Click blendet den Purpose/ Zweck der eigenen Organisation, und die aktuell vorhandenen Kompetenzen des eigenen Unternehmens aus. Kann man machen, aber dies sind natürlich sehr wichtige Rahmenbedingungen.
Unser Tipp: Seid ihr Mitglied einer Organisation, dann verlängert den Foundation Sprint um zwei halbe Tage und schafft euch z.B. mithilfe des Hexagons gemeinsame Klarheit über die strategischen Rahmenbedingungen eures Unternehmens. Stellt dem Foundation Sprint sowas wie diesen 4h-Ablauf voran:
Dann macht ihr den Foundation Sprint. Und zum Abschluss wird das nochmal gerahmt, wieder durch eine 4h Session:
Best Practices sind nie „Plug‑and‑Play“, sondern Werkzeuge in einem größeren methodischen Baukasten.
Bevor du „blind“ loslegst: Kläre deinen Kontext. Dann hol dir erfahrene Facilitator·innen ins Boot – und nutze beide Sprints als Bausteine in deinem strategischen Toolkit, verankert im Dark Horse Strategie Hexagon.
Auch das Hexagon ist kein Kochbuch, sondern ein strategisches Betriebssystem. Es sorgt dafür, dass Sprints nicht als isolierte Formate verwendet werden, sondern stets im Einklang mit dem großen Ganzen stehen: der Identität, Struktur und Kompetenz der Organisation. Es hilft, die Passung zwischen neuen Ideen und der Organisation messbar und gestaltbar zu machen – und das ist der entscheidende Unterschied zum reinen Methoden-Toolkit eines Foundation Sprints.