tldr: Eine funktionierende Demokratie ist nicht nur das Herzstück unserer individuellen Freiheit. Sie ist auch der einzige Rahmen, innerhalb dessen wir gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten können. Deshalb brauchen sowohl unsere Demokratie als auch unsere Zukunft gerade jetzt einen handlungsfähigen Staat. Der entsteht aber nicht über Nacht, sondern will erst erdacht, dann erbaut werden. Deshalb schauen wir heute gleichermaßen auf die Zukunft der Verwaltung und die Parlamente der Zukunft.
Die öffentliche Verwaltung ist das Interface zwischen Bürger:innen und Staat. Sie setzt politische Entscheidungen und Gesetze in die Praxis um. Der Staat wird also in der Verwaltung erlebbar. Und was erlebt man dort? Eine Vielzahl systemischer Herausforderungen:
Diese Probleme können nicht isoliert betrachtet werden. Sie sind von vielschichtiger Unsicherheit gekennzeichnet, sie sind komplex, interdependent, multikausal und je nach Perspektive unterschiedlich interpretierbar.
Wie kommt man da wieder raus? Wie kann es gelingen, diese Schnittstelle, an der sich Staat und Bürger:in begegnen, als gemeinsamen Handschlag neu zu gestalten?
Am 01. Oktober 2025 hat das Bundeskabinett einen wichtigen Schritt gemacht: Mit der Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung legt das BMDS einen Plan vor, wie der Staat die Entscheidungen, Prozesse und Strukturen der öffentlichen Verwaltung modernisieren will. Die Agenda umfasst fünf Handlungsfelder für einen leistungsfähigen Staat: Spürbarer Bürokratierückbau, bessere Rechtsetzung, Bürger- und unternehmenszentrierter Service, zukunftsgerichtetes Personal und strategisch ausgerichtetes Personalmanagement.
So will das BMDS „einen Staat schaffen, der schnell, digital und handlungsfähig ist, zügig entscheidet, verlässlicher liefert und dadurch das Vertrauen stärkt.“
So weit, so löblich. Diese ehrgeizigen Ziele nach mehr Zusammenarbeit, mehr digitaler Innovation und strategischer Vorausschau unterschreiben wir schon einmal ganz grundsätzlich in unserer Rolle als Transformationsdesigner. Entsprechen sie doch ganz grundsätzlich unseren drei Prinzipien für eine erfolgreiche Zukunftsgestaltung:
Trotzdem wird die Zukunft der Demokratie nicht nur in der Verwaltung geschrieben. Damit überhaupt neue Rahmenbedingungen entstehen können, braucht es dedizierte Orte, an denen über Zukunft, Demokratie, Staat und Gesellschaft gesprochen werden kann.
Ein gutes Beispiel für diese Praxis kommt aus Finnland. Im dortigen Parlament Eduskunta, tagt seit den 90er Jahren das Committee for the Future. Der ständige Ausschuss hat zur Aufgabe, langfristige Trends und gesellschaftliche Veränderungen zu untersuchen. Mit seiner Arbeit berät er die Regierung in langfristigen Zukunftsfragen, damit Politik nicht nur auf die nächsten vier Jahre schaut, sondern auf Jahrzehnte.
Der Ausschuss – auf finnisch Tulevaisuusvaliokunta – schaut sich systematisch neue Technologien an, führt partizipative Verfahren durch und analysiert den Zukunftsbericht, den die finnische Regierung regelmäßig vorlegen muss. Durch seine Rolle als Vermittler fungiert er im finnischen System als Brücke zwischen wissenschaftlicher Zukunftsforschung, Ministerien, Zivilgesellschaft und den eigentlichen politischen Entscheidungen im Parlament. Das Zusammenspiel sieht vereinfacht so aus:
Das Committee for the Future zeigt, wie weit man gehen kann, wenn ein Parlament die Zukunft nicht nur debattiert, sondern institutionell verankert– als festen Bestandteil demokratischer Entscheidungsprozesse. Mittlerweile sind auch andere Parlamente dem finnischen Vorbild gefolgt und haben parlamentarische Zukunftsausschüsse gegründet, u.a. Österreich, Island, Litauen, Brasilien, Chile, Uruguay und die Philippinen.
Ob Zukunftsausschüsse, wirkungsorientierte Steuerung oder neue Wege im Personalmanagement – überall zeigt sich: Transformation beginnt dort, wo Menschen nicht nur die Politik, sondern auch Verwaltung als Gestaltungsaufgabe verstehen. Auch wir wollen dieser Gestaltung mehr Aufmerksamkeit schenken.
Deshalb haben wir den Dark Horse Academy-Kurs „Designing Public Governance“ ins Leben gerufen. Dort beschäftigen wir uns mit der Frage, wie man die öffentliche Verwaltung so transformiert, dass sie diesen Aufgaben Rechnung tragen kann. Gemeinsam mit der Demokratieforscherin Dr. Nina-Kathrin Wienkoop stellen wir dafür wegweisende Beispiele und hilfreiche Methoden vor. Gemeinsam hinterfragen wir gemeinsam Routinen, entwerfen Zukunftsbilder, die über Ressortgrenzen hinaus wirken und gestalten das, was sein könnte:
Statt Rück- und Abbau konzentrieren wir uns auf den Aufbau: den Aufbau von Gestaltungskraft und strategische Vorausschau für ein wünschenswertes Morgen. Hello Future!
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