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Für nachhaltig ist es zu spät. Wir müssen die menschengemachten Schäden der letzten Jahrzehnte wieder reparieren – mit regenerativem Design.
Die aktuellen Bücher von Rutger Bregman, Ulrich Brand und Markus Wissen, Hannah Ritchie, Ingolfur Blühdorn, dem Club of Rome und Netzwerke wie Mission Wertvoll von Maja Göpel liefern wertvolle Perspektiven auf die Transformation unseres Wirtschaftssystems. Sie verdeutlichen, dass "Sustainable Design" und "Sustainability by Design" keine Trends sind, sondern essenzielle Konzepte, um den Umbau unserer Wirtschaft und Gesellschaft aktiv zu gestalten.
Nachhaltigkeit gestalten: Ein Paradigmenwechsel
Für Nachhaltigkeit ist es zu spät, wir müssen die menschengemachten Schäden der letzten Jahrzehnte wieder reparieren, regeneratives Design betreiben, das aktiv zum Wiederaufbau von ökologischen und sozialen Systemen beiträgt. Hierum drehen sich auch die folgenden Buchempfehlungen, deren Inhalte in unseren Design for Sustainability Kurs einfließen.
Ingolfur Blühdorn beschreibt in "Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit. Warum die ökologische Transformation der Gesellschaft nicht stattfindet", dass die gegenwärtigen Nachhaltigkeitsstrategien oft nur bestehende Strukturen stabilisieren, anstatt systemische Transformationen anzustoßen. Diese "Nachhaltigkeit ohne Wandel" zeigt, dass Greenwashing und oberflächliche Initiativen nicht ausreichen, um den dramatischen ökologischen Herausforderungen zu begegnen. Wir befinden uns in einer nicht lösbaren Spannung zwischen dem individuellen Anspruch auf Freiheit und der ökologisch motivierten Einsicht, dass Selbstbegrenzung unumgänglich ist. Unhaltbarkeit noch rein, aber anspruchsvoller Brocken!
Rutger Bregman argumentiert in "Moralische Ambition", dass gesellschaftliche Transformation nicht nur eine Frage der Technik, sondern der Haltung ist. Was könnte erreicht werden, wenn die talentiertesten Menschen ihre Fähigkeiten in die öko-soziale Transformation statt in das Erklimmen einer lukrativen Karriereleiter investieren würden?
Ulrich Brand und Markus Wissen analysieren in "Kapitalismus am Limit" und "Imperiale Lebensweise", dass unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem auf einer fundamentalen Ungleichheit basiert: Ressourcenintensive Produktions- und Konsummuster der Industrieländer werden auf Kosten anderer Weltregionen aufrechterhalten. Die imperiale Lebensweise bedeutet, dass Wohlstand in einem Teil der Welt durch Umweltzerstörung und soziale Ausbeutung in anderen Regionen erkauft wird. Dieses Modell stößt nun an seine ökologischen und sozialen Grenzen. Die einzige Möglichkeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, besteht darin, eine neue Form des Wirtschaftens zu gestalten, die nicht auf permanenter Expansion und Ressourcenextraktion basiert, sondern auf regenerativen und zirkulären Prinzipien.
Das Buch "Earth for All" des Club of Rome zeigt auf, dass ein sozial- und umweltverträgliches Wirtschaften nur durch eine tiefgreifende Veränderung der politischen und wirtschaftlichen Strukturen möglich ist. Technische Innovationen allein reichen nicht aus – wir brauchen neue Wertvorstellungen, gesellschaftlichen Wandel und eine starke Politik, die nachhaltige Rahmenbedingungen schafft.
Maja Göpel fordert mit ihrer Initiative "Mission Wertvoll" eine tiefgreifende Transformation hin zu einer Wirtschaft, die nicht nur weniger Schaden anrichtet, sondern aktiv zum Gemeinwohl beiträgt. Unternehmen müssen nicht nur nachhaltige Produkte entwickeln, sondern auch neue Erfolgskriterien definieren, die soziale und ökologische Verantwortung mit wirtschaftlichem Erfolg verbinden. Ihre Arbeit zeigt, dass nachhaltige Innovationen vor allem durch mutige Führungsentscheidungen und strategische Neuausrichtungen vorangetrieben werden. Dabei gibt es auch für das Individuum einen Zuwachs an Lebensqualität zu gewinnen.
Die Dringlichkeit der Transformation
Die Arbeit von Maja Göpel und des Club of Rome verdeutlicht, dass wir uns in einer entscheidenden Dekade befinden. Die aktuellen Wirtschaftsmodelle basieren auf einer imperialen Lebensweise (Brand/Wissen), die auf Ausbeutung und Ressourcenverbrauch in anderen Teilen der Welt fußt. Wenn wir nicht sofort handeln, riskieren wir unumkehrbare Veränderungen in unserem ökologischen und sozialen System.
Hier noch eine letzte Leseempfehlung zum persönlichen Wiederaufbau, denn in der aktuellen (Um-)Weltlage fällt es immer schwerer, nicht den Mut zu verlieren. Hannah Ritchie argumentiert in „Not the End of the World“ (auf Deutsch „Hoffnung für Verzweifelte“), dass eine faktenbasierte Betrachtung notwendig ist, um Ängste zu reduzieren und pragmatische Lösungen zu entwickeln. Positive Entwicklungen gehen häufig leise und im Hintergrund vonstatten und werden von Katastrophen medial in den Schatten gestellt. Sie nennt hier zum Beispiel das Bewusstsein für die menschenverursachte Klimakatastrophe, an deren Realität dank der unermüdlichen Arbeit von Klimawissenschaftler:innen mittlerweile nur noch wenig zweifeln.
Dennoch bleibt die Herausforderung, dass viele nachhaltige Innovationen nicht mit der Geschwindigkeit umgesetzt werden, die notwendig wäre, um Kipppunkte im Klimasystem zu vermeiden.
Nachhaltigkeit durch Gestaltung: Konzepte für eine enkelkindertaugliche Zukunft
- Circular Thinking & Circular Design: Kreislaufwirtschaft ist mehr als Recycling. Es geht darum, Abfall gar nicht erst entstehen zu lassen und Materialien von Anfang an so zu designen, dass sie im Kreislauf bleiben.
- Holistic Design & Regenerative Design: Nachhaltige Innovationen berücksichtigen ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen und streben an, natürliche Systeme zu regenerieren.
- Sustainable Business Models: Wirtschaft kann nachhaltiger gestaltet werden, indem sie auf geschlossene Kreisläufe, soziale Verantwortung und langfristige Wertschöpfung setzt.
- Digitale Nachhaltigkeitsinnovationen: Die Digitalisierung kann zur Nachhaltigkeit beitragen, indem sie Ressourcen effizienter nutzt, Transparenz schafft und zirkuläre Geschäftsmodelle ermöglicht.
- Passioneering & Sustainagility: Die Kombination aus Leidenschaft für Nachhaltigkeit und agiler Innovationskraft hilft, kreative Lösungen zu entwickeln, die sich schnell anpassen und weiterentwickeln lassen.
Nachhaltigkeit als strategische Innovation
"Designing for Sustainability" bedeutet, Produkte und Services von Beginn an nachhaltig zu denken. Unternehmen und Designer müssen sich fragen:
- Welche Ressourcen nutzen wir, und können sie regeneriert werden?
- Wie können Produkte modular und reparierbar gestaltet werden?
- Welche neuen Materialien und Technologien bieten nachhaltigere Lösungen?
"Sustainable Innovation" erfordert interdisziplinäres Denken und den Mut, bestehende Prozesse radikal neu zu gestalten. Der "Sustainable Innovation Course" zeigt, dass Methoden wie Design Thinking und System Thinking kombiniert werden müssen, um echte Nachhaltigkeit zu erreichen.
Fazit: Nachhaltigkeit erfordert neue Denkweisen und Gestaltungsmut
Wir versuchen trotz aller schlechter Nachrichten in den aktuellen sozial-ökologischen Krisen auch Chancen zur Veränderung zu sehen: "Sustainability by Design" bedeutet, Nachhaltigkeit nicht als Einschränkung, sondern als Innovationsmöglichkeit zu begreifen, um eine enkelkindergerechte Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen.
Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt – sie wird gestaltet. Doch ohne entschlossenes Handeln läuft uns die Zeit davon.